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OLG München: Yelp muss zu schlecht bewerteten Fitness-Studios Schadensersatz zahlen

„Empfohlene“ Bewertungen verzerren das Gesamtbild – Unternehmenspersönlichkeitsrecht überwiegt

 

München, 14.11.2018. Nach einem Urteil des OLG München vom 13.11.2018 muss das Bewertungsportal Yelp Schadensersatz an drei Fitness-Studios zahlen, weil diese auf der Online-Plattform zu schlecht bewertet wurden und die Art, wie die Bewertungen zu Stande kamen, nicht dem Wesen eines Bewertungsportals entspreche (Az.: 18 U 1280/16 u.a.).

Ob für Ärzte, Restaurants, Hotels oder Fitness-Studios – Bewertungsportale gibt es praktisch für alle Branchen und können für die Verbraucher eine wichtige Entscheidungshilfe sein. Das gilt natürlich nur, wenn die Bewertungen realistisch sind und in einer fairen Art und Weise zu Stande kommen. Für die Unternehmen können schlechte Bewertungen hingegen rufschädigend sein. Allerdings haben Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen auch die Möglichkeit, sich gegen negative Bewertungen zu wehren, wie die Rechtsprechung des OLG München zeigt.

 

In dem zu Grunde liegenden Fall waren drei Fitness-Studios aus dem Raum München bei Yelp bewertet worden. Hier haben Nutzer die Möglichkeit, Bewertungen zwischen einem und fünf Sternen abzugeben. Die Fitness-Studios kamen in der Gesamtwertung bei Yelp nur auf zwei bis drei Sterne. Die Betreiberin verklagte Yelp daher auf Unterlassung und bekam vor dem OLG München Recht.

 

Dies begründete das OLG München damit, dass der Leser eine Gesamtwertung so verstehe, dass alle abgegebenen Bewertungen zu dem Gesamtergebnis führen. Das war bei Yelp aber nicht der Fall. Hier flossen nur „empfohlene“ Bewertungen, die von einer Software nach verschiedenen Kriterien ausgewählt werden, in die Gesamtwertung ein. Im Fall der Fitness-Studios führte dies dazu, dass bis zu 95 Prozent der Einzelbewertungen überhaupt nicht berücksichtigt wurden. Dadurch fiel die Gesamtbewertung deutlich schlechter aus. Das Gesamtbild sei verzerrt worden, ohne dass dies für den Nutzer ohne weiteres erkennbar ist, so das OLG München.

 

Das Gericht kam daher zu dem Schluss, dass die Gesamtbewertung nicht als Tatsachenbehauptung, sondern als Meinungsäußerung zu sehen sei. Daher müsse zwischen dem Recht auf freie Meinungsäußerung und dem Unternehmenspersönlichkeitsrecht abgewogen werden. In diesem Fall überwiege das Unternehmenspersönlichkeitsrecht, so das OLG München, das die Revision zum BGH zugelassen hat.

 

„Bewertungen im Internet bei Plattformen wie Yelp, Jameda und anderen sollten mit Vorsicht genossen werden, da sie auch gekauft werden können und nicht zwangsläufig ein objektives Bild wiedergeben. Für Unternehmen kann dies geschäftsschädigend sein. Falsche Tatsachenbehauptungen oder Schmähkritiken müssen von den Unternehmen aber nicht hingenommen werden. Dann besteht ein Anspruch auf Löschung der Bewertung“, erklärt Rechtsanwalt István Cocron, CLLB Rechtsanwälte.

 

Mehr Informationen: https://www.cllb.de/

 

Pressekontakt: Rechtsanwalt István Cocron, CLLB Rechtsanwälte Cocron, Liebl, Leitz, Braun, Kainz, Sittner Partnerschaftsgesellschaft mbB, Liebigstr. 21, 80538 München, Fon: 089 552 999 50, Fax: 089 552 999 90; Mail: cocron@cllb.de Web: www.cllb.de

 

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Über den Autor

István Cocron ist Spezialist im Bereich der Beratung von Start-Ups und Unternehmen, im Gesellschafts- und Kapitalanlagerecht sowie der Vertretung von Versicherungsnehmern. Er besitzt umfangreiche forensische Erfahrung und hat bereits etliche Großverfahren für Anleger und Verbraucher aus dem gesamten Bundesgebiet betreut. Rechtsanwalt Cocron beschäftigt sich zudem seit mehren Jahren mit den neuesten Entwicklungen aus dem Bereich der IT, insbesondere den Themen Blockchain und Cryptocurrencies. Er besitzt langjährige Erfahrung im Bereich der nationalen und internationalen Zwangsvollstreckung, ist Mitglied mehrerer Gläubigerausschüsse sowie nationaler und internationaler Vereinigungen von Juristen. Rechtsanwalt Cocron ist Gründungspartner der Kanzlei CLLB Rechtsanwälte.
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