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Audi Dieselskandal – Abgasmanipulationen im großen Stil

München, 01.07.2019. Audi steckt offenbar noch viel tiefer im Abgasskandal als bisher bekannt war. Nach Informationen des Handelsblatts und des Bayerischen Rundfunks hat Audi bei Fahrzeugen mit 3-Liter-Dieselmotor und der Abgasnorm Euro 6 bis zu vier Abschalteinrichtungen verwendet, um Grenzwerte beim Schadstoffausstoß einzuhalten. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) stufte allerdings nur eine Funktion als illegale Abschalteinrichtung ein und ordnete deshalb den Rückruf an. Die anderen drei Funktionen könne Audi „freiwillig“ entfernen.

Konkret bemängelte das KBA die sog. schnelle Motoraufwärmfunktion, die den Ausstoß von Stickoxiden reduziert, aber nahezu nur im Prüfmodus aktiviert ist. Die Behörde ordnete deshalb Anfang 2018 den verpflichtenden Rückruf für diverse Audi-Modelle mit V6 TDI-Motor und der Abgasnorm Euro 6 an. Betroffen waren die Modelle A4, A5, A6, A7, A8, Q5, SQ5 und Q7.

Nun wurden dem Handelsblatt und dem Bayerischen Rundfunk brisante interne Audi-Unterlagen zugespielt. Die Unterlagen belegen offenbar, dass trotz Abgasskandal Audi und das Kraftfahrt-Bundesamt ein vertrauensvolles Verhältnis pflegten. So hat das KBA bei den meisten Modellen wohl auf eine eigene Prüfung verzichtet und sich auf die Angaben des Autobauers verlassen. Auch die im Abgasskandal ermittelnde Staatsanwaltschaft München war mit dem Verhalten der Behörde offenbar nicht einverstanden. So soll das KBA Audi über Maßnahmen wie Rückrufe informiert habe, ohne die Staatsanwaltschaft vorher darüber in Kenntnis zu setzen.

Die umfangreichen Unterlagen fördern noch mehr zu Tage. So waren Abgasmanipulationen bei Audi offenbar schon lange vor Bekanntwerden des Abgasskandals ein Thema. Belegt wird das durch ein Gedicht, das per Mail im Mai 2003 die Runde machte und an Goethes Erlkönig erinnert. Wie u.a. tagesschau.de berichtet, heißt es an einer Stelle: „Defeat Device, kommt her zu mir. Gar schöne Spiele spiel ich mit dir. Manch‘ Schweinerei liegt auf der Hand, die ich will verdecken mit dem Hystereseband.“

Abschalteinrichtungen gab es bei Audi tatsächlich schon länger. Wie die Tagesschau weiter online berichtet, kam zwischen 2003 und 2010 bei Audi-Dieselfahrzeugen mit der Abgasnorm Euro 4 die sog. „Akustikfunktion“ zum Einsatz. Wie aus den Unterlagen des BR dazu hervorgeht, hat es zu dieser Funktion einen Vermerk des KBA gegeben, wobei diese Funktion als unzulässige Abschalteinrichtung klassifiziert wurde.

„Audi spielt im Abgasskandal eine große Rolle und hat schon offenbar früh mit Abgasmanipulationen begonnen und diese auch nach Bekanntwerden des Abgasskandals im Herbst 2015 noch bei den 3-Liter-Dieselmotoren fortgesetzt und Behörden wie Verbraucher getäuscht. Inzwischen haben zahlreiche Gerichte entschieden, dass die Kunden durch unzulässige Abschalteinrichtungen vorsätzlich sittenwidrig getäuscht wurden und Anspruch auf Schadensersatz haben“, sagt Rechtsanwalt Dr. Henning Leitz, CLLB Rechtsanwälte.

Mehr Informationen: https://www.diesel-abgasskandal.de/

 

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Über den Autor

Rechtsanwalt Dr. Henning Leitz ist seit seiner Zulassung im Bereich Bank- und Kapitalmarktrecht tätig. Er vertritt aktuell zahlreiche Mandanten im Großschadensfall VW (Abgas – Skandal). Daneben vertritt er insbesondere Anleger in Beratungshaftungsprozessen, insbesondere im Bereich Medienfonds, Leasingfonds, geschlossene Immobilien- und Schiffsfonds.
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